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Ruhe vor dem Regen

Gerade schwärzt sich der Himmel. Den ganzen Tag lagen Luftfeuchtigkeit und Dunst über der Stadt wie eine schwere Glocke. Alles war weißgrau, stickig und klebrig. Die vergangenen Tage waren unglaublich heiß, und der heutige Tag schien so, als ob er genauso heiß werden wollte, aber zusätzlich mit grauem Himmel.

Innerhalb von Minuten hat sich die gesamte Szene jetzt verändert. Der Himmel von Norden ist schwarz, und plötzlich ist die Luft zwar nicht kühl, aber doch zumindest klar. Man kann wieder weiter sehen, und die Gebäude sind schärfer zu erkennen. Gleich fängt der Regen an. Beeindruckendes Schauspiel. Ich liebe meine Aussicht aus dem 11. Stock.

Kein Bergbau-Brasilianer

Eine geradezu beispiellose Posse um den brasilianischen Fußballspieler Denilson ist gestern in Vietnam zu Ende gegangen: Denilson, mittlerweile 31 Jahre alt, verlässt den Fußballklub in Haiphong wieder, zu dem er vor einem Monat gewechselt war. Vorausgegangen war ein geradezu aberwitziger Hype um einen längst gescheiterten Fußballstar, und wochenlange Enttäuschungen vietnamesischer Fans.

Vielleicht kurz zur Erinnerung: Denilson, das war mal der teuerste Transfer in der Geschichte des Fußballs, damals als Fußballer nur läppische 31,5 Millionen Euro kosteten. Also vor zehn Jahren. Schon damals meinten allerdings viele, dass man bei Denilson immer einen Hackentrick und einen Übersteiger zu viel sehe, und dafür eine Torchance zu wenig. Seit 2002 durfte er sich dann Weltmeister nennen, weil er bei der WM in Südkorea und Japan immerhin fünf Mal gegen Ende des Spiels eingewechselt wurde. Anschließend ging es mit Denilson bergab. Wortwörtlich. Er stieg mit Sevilla ab, und versuchte sich später in so wichtigen Fußball-Stätten wie Saudi Arabien oder Dallas, USA, und konnte sich selbst dort nirgendwo mehr durchsetzen. Zuletzt spielte er drittklassig beim brasilianischen Verein Iumbiara. Seinen Abstieg hat das österreichische Fußballmagazin “ballesterer fm” in lakonisch-ironischer Weise nachgezeichnet.

Das alles hat die Vietnamesen jedoch offenbar nicht gestört. Hier reichte das Label “Fußball-Weltmeister” und “hochkarätigster Legionär der Liga-Geschichte”, um Verzückungen jenseits des Vorstellbaren auszulösen. In den Vorberichten wurden die Irrungen und Wirrungen Denilsons auch kaum erwähnt, stattdessen wurde immer wieder auf die WM verwiesen, oder darauf, dass Denilson zuletzt, oh!… ein paar Testspiele mit dem britischen Erstligisten Bolton Wanderers gemacht habe (wo er sich allerdings nicht durchsetzen konnte).

Verzückungen auf allen Seiten, wohlgemerkt, denn Denilson sollte etwa 50.000 Dollar pro Monat verdienen, ein Vielfaches dessen, mit was er zuletzt rechnen konnte. Anfang Juni wechselte Denilson offiziell zu “Xi Mang Hai Phong”, was “Zement Haiphong” heißt, und bereits deutlich macht, wo wir uns befinden: Im Ruhrpott Vietnams, sozusagen. In der Industrie- und Arbeiterstadt Haiphong, mit dem größten Kohlebergbaugebiet gleich um die Ecke, und außerdem einem der wichtigsten Seehäfen der Region. (Zement Haiphong hat allerdings in den letzten sieben Jahren fünfmal seinen Namen gewechselt, je nachdem, welcher Sponsor gerade vor der Tür stand.)

Die Fans dort sind ohne Zweifel fußballverrückt (so wie die Vietnamesen eigentlich allgemein), was unter anderem dazu führte, dass der findige Club am 6. Juni flugs seine Eintrittspreise um mehr als die Hälfte (!) erhöhte, von etwa zwei Euro auf mehr als drei Euro.

Allerdings spielte Denilson dann am 6. Juni nicht, und Haiphong verlor sang- und klanglos mit 2:0 gegen Spitzenreiter Da Nang.

Begründung: Denilson fühlte sich nicht wohl. Er müsse sich erst noch an das Wetter in Vietnam gewöhnen. Außerdem sei es am Vorabend in seinem Hotel so laut gewesen. Und sein linkes Bein plage ihn auch noch. Von der Bein-Geschichte mal abgesehen klangen diese Begründungen schon damals ziemlich dämlich. Vor allem aber klangen sie so, als ob Denilson sich bis zum Tag seines Abflugs keine Zehntelsekunde mit Vietnam beschäftigt habe. Den Fans aus Haiphong war das jedenfalls auch alles zu wenig, und sie begannen im Stadion zu randalieren und Zeitungen anzuzünden, so dass die Feuerwehr anrücken musste. Ein geschockter Denilson erklärte anschließend: “Das Publikum ist so rasend hier. Ich hatte Angst.” Möglicherweise hat er auch erst in diesem Moment begonnen, sich zum ersten Mal mit Vietnam zu beschäftigen. (Nebenbei bemerkt: Haiphong ist als Stadt zum Leben sicherlich in etwa so spannend wie…, sagen wir Heilbronn. Ein nennenswertes Angebot an “Szene” oder Freizeit gibt es dort jedenfalls nicht.)

Es folgten zwei Wochen Katz- und Maus-Spiel. “Denilson wird spielen“, verkündeten die Zeitungen täglich, um dann beim folgenden Match zu erklären: Er wird doch nicht spielen. Immer wieder wurde eine geheimnisvolle Beinverletzung zitiert, die zusammen mit einem brasilianischen Doktor auskuriert werden sollte. Der Doktor hatte allerdings Redeverbot.

Und vergangenes Wochenende sah es dann endlich so aus, als würde sich alles zum Guten wenden: Denilson spielte! Endlich. Und: Er traf sogar. Gleich in der ersten Spielminute.

Zur Pause blieb Denilson dann in der Kabine. Begründung: Das Bein.

Das Bein ist es jetzt auch, das angeblich dafür sorgt, dass Denilson nach einem Monat wieder Richtung Brasilien fliegt. Er bat gestern seinen Club um Vertragsauflösung. Dafür erhält er immer noch stolze 10.000 Dollar, plus 15.000 Dollar für seine eine Halbzeit, die er auflief.

Was bleibt? Hoffentlich die Erkenntnis für vietnamesische Fans, dass große Namen nicht alles sind, und viele Brasilianer in der V-Liga offenbar mittlerweile ein Paradies zum Geldverdienen entdeckt haben. Und jede Menge glücklicher Leute. Nämlich die Trikotverkäufer, die zuletzt die Preise für Haiphong-Trikots mit dem Schriftzug “Denilson” für das Zehnfache des normalen Preises verkauft haben. Es lebe der Kapitalismus.

Sommerpause

Hier ist zur Zeit wenig los. Das liegt daran, dass ich derzeit nicht in Vietnam bin, sondern unterwegs. Erst auf einer Konferenz in Nepal, und nun wieder zurück in diesem seltsamen Land mit den breiten Straßen und den wenigen Menschen darauf. Der Kulturschock fiel aber diesmal seltsamerweise geringer auf, obwohl ich seit fast zwei Jahren nicht mehr in Deutschland war.

Die überraschenden Erkenntnisse beschränken sich bislang auf: Vietnam ist wohlhabend. Zumindest im Vergleich zun Nepal. Und: Tageslicht um zehn Uhr abends ist irgendwie unnatürlich. Zumindest wenn man von Hanoi gewohnt ist, dass der Abend um sieben Uhr hereinbricht. Ach ja, und ich habe mich offensichtlich nicht nur an die Wärme gewöhnt, sondern auch an die Luftfeuchtigkeit. Während meine Bekannten hierzulande stöhnen, es sei heute so unglaublich schwül, empfinde ich die Luft als angenehm trocken.

Die gute Nachricht übrigens: Da ich die Sommerpause so spät vermeldet habe, ist sie auch schon in einer Woche wieder zuende.

Straße in Hoi An

Vietnams Feuerwaffen

Europa war modern, Europa war wirtschaftlich mächtiger und Europa war technologisch fortschrittlicher, als der Rest der Welt, und deswegen konnte Europa die Welt kolonialisieren. Heißt es. Vor allem hatten die Europäer Feuerwaffen, und zwangen mit dieser überlegenen Erfindung die anderen Völker in die Knie.

Das ist so nicht ganz korrekt.

Auch Südostasien hatte Feuerwaffen. Mehr als das. 1631 notierte ein französischer Jesuit in Vietnam in seinen Aufzeichnungen:

“Die Cochin-Chinesen [die Vietnamesen] sind so geübt mit ihren Arkebusen und Kanonen, dass sie sogar die Europäer übertreffen. Tatsächlich tun sie wenig anderes, als den ganzen Tag zielen und schießen zu üben. Sie treffen mit ihrer Artillerie besser, als andere Völker mit ihren Arkebusen.”

Das war kein Einzelbericht. Britische Reisende erklärten der Bevölkerung zu Hause, dass die Vietnamesen womöglich die schnellsten Schützen der Welt seien, was das Laden und Schießen angeht. Vietnamesische Soldaten konnten eine Arkebuse in vier Zügen nachladen und feuern, während ein englischer Soldat um die gleiche Zeit etwa 20 Züge dafür benötigte.

Gehen wir also kurz einen Schritt zurück: Schießpulver und Feuerwaffen wurden von den Mongolen nach Indien, in die Islamische Welt und schließlich nach Europa weiterverbreitet. Den militärischen Nutzen aber erkannte vor allem Europa, sowie die Türken, die im 16. Jahrhundert für ihre Belagerungskanonen und Musketen bekannt waren.

Südostasien kannte die Feuerwaffen schon zuvor, aber erst die Europäer führten den Nutzen der neuen Technologie vor. Das führte schon im 16. Jahrhundert zu einem regen Interesse in Südostasien. Die Königshöfe warben europäische Spezialisten an, und gründeten selbst Gewehrschmieden. Begünstigt wurde dieses technologische Interesse, wie könnte es anders sein, durch Krieg. In besagtem 16. Jahrhundert lagen Burma und Ayutthaya (das spätere Thailand) im Dauer-Kampf, und in Vietnam bahnte sich bereits der Bürgerkrieg zwischen Norden und Süden um die Vorherrschaft aus (dazu später mal mehr). Die heiße Kriegsphase dauerte von 1627 bis 1672 (etwa zur gleichen Zeit wie der veheerende Dreißigjährige Krieg in Europa, nur länger), und beide Seiten fingen an, ihre Heere mit Feuerwaffen auszurüsten.

Dabei setzte Vietnam, ähnlich wie die Europäer, auf kleine, bewegliche Kanonen. Im Gegensatz zu den Türken, die für große, monströse Belagerungskanonen bekannt waren. Eine solche vietnamesische Kanone (geschmiedet beispielsweise in Hué) war zwei Meter lang, und wurde auf den Rücken der Soldaten geschnallt. Da die Vietnamesen damals sicherlich nicht größer waren als heute, wohl eine ganz schöne Last. Ein zweiter Soldat musste den Sockel tragen, auf dem der Kanonenlauf dann später aufgebockt wurde, ebenfalls zwei Meter lang.

Als die südvietnamesischen Nguyen-Fürsten (eine der Parteien im Bürgerkrieg) 1678 um einen britischen Gewehrmacher baten, taten sie es offenbar nicht, um zu lernen, sondern um ihren Fortschritt mit Europa zu vergleichen. Immer wieder wird auch berichtet, dass vietnamesische Handelspartner Kanonen zurückgewiesen hätte, weil sie imstande gewesen seien, schlechte Verarbeitungen zu erkennen.

Südostasien, vor allem das Festland mit seinen drei streitenden Reichen Burma, Ayutthaya und Vietnam, war also seit dem 16./17. Jahrhundert ein Land mit Feuerwaffen. Wenn wir in dieser Zeit von Kriegen reden, beispielsweise beim berühmten Tayson-Sieg 1789 (auch dazu später mal mehr), müssen wir uns dazu Pulverdampf und Musketengeknalle vorstellen.

Und was war jetzt mit den Europäern? Die waren in der Tat nur 100 Jahre später trotzdem militärisch überlegen, weil der Fortschritt in Europa einen rasanten Aufschwung nahm, gerade zu einer Zeit, als beispielsweise in Vietnam eine Zeit der Restauration einsetzte. Überhaupt erwiesen sich die Konfuzianisten immer mehr als Bremsklötze, was Technik und Moderne anging.

Denn so perfekt Südostasien bei der Feuerwaffen-Herstellung war - sie kamen nie über das im 15. Jahrhundert moderne Luntenschloss heraus. Die Vorrichtung also, bei der mit Hilfe einer brennenden Lunte die Ladung entzündet wurde. Das war damals revolutionär, weil es einem Schützen erlaubte, die Waffe mit zwei Händen zu halten, und gleichzeitig noch zu zielen. Aber es ging natürlich noch besser. Beispielsweise war die Lunte wetteranfällig, und sie brauchte außerdem Vorbereitungszeit. Drehschlösser und Steinschlösser beseitigten diese Nachteile, später kamen Hinterlader-Gewehre und Patronen hinzu.

Das Problem: Bereits im 18. Jahrhundert wurden Steinschloss-Musketen in Europa in einer Art Massenanfertigung hergestellt. Wichtig war nicht mehr der einzelne Feuerwaffen-Schmied und Experte, wichtig wurden prä-industrielle Prozesse und Technik. Dinge, sie sich nicht dadurch imitieren ließen, dass man sich einen Europäer an den Hof holte. Sie hätten Eigenleistung verlangt. Die südostasiatischen Gesellschaften und Königshöfe konnten oder wollten diese Forschungsleistung aber nicht erbringen. Die Steinschlösser wurden in Vietnam zwar bewundert, aber niemals selbst reproduziert.

Stattdessen verließ man sich immer mehr darauf, schlicht Musketen aus Europa zu kaufen. Was für Europa wiederum eine wunderbare Gelegenheit war, veraltete Waffen nach Asien zu exportieren, wo sie immer noch moderner waren, als die Generation davor.

Als die Franzosen im 19. Jahrhundert mit modernen Gewehren in Vietnam auftauchten, die über 1000 Meter relativ zielgenau schießen konnten, hatte Südostasien das Technologie-Rennen längst verloren. Da half es dann leider auch nichts mehr, dass die Vietnamesen angeblich 200 Jahre zuvor die sichersten Arkebusen-Schützen gewesen sein sollen.

Es sollte dann noch einige Zeit dauern, bis Vietnam der Welt umgekehrt bewies, dass man auch technologisch unterlegen Kriege gewinnen kann.

Neue Kategorie: Lesestoff

Ich habe in den vergangenen Tagen an einer neuen Kategorie für die Webseite gearbeitet. Der eine oder andere hat sie möglicherweise schon gesehen, wenn er aufmerksam die Reiter am oberen Seitenende ins Auge genommen hat: “Welche Bücher ich gerade lese” wird künftig in unregelmäßigen Abständen aktualisiert.

Wie der Name schon sagt, soll dort alles stehen. Ob ich dann zwei Zeilen dazu schreibe, oder eine veritable Kurzrezension, kommt wohl sowohl auf das Buch an, als auch auf die Zeit, die ich gerade habe. Vorgewarnt sei schon mal vor der Tatsache, dass ich sehr viel auf Englisch lese, weil der deutsche Buchmarkt zum Thema Politik/Geschichte Südostasiens nicht sonderlich viel hergibt, und dass die Belletristik vor allem Fantasy umfassen wird. Was ein unterschätztes Genre ist. Aber das hier nur am Rand.

Ein klein wenig gedacht ist die Rubrik übrigens, so wie diese gesamte Seite hier, auch als Gedächtnisstütze für mich selbst. Kollege Oliver hat allerdings bereits begonnen, sie als Möglichkeit für einen Tauschbasar zu nutzen. Auch gut.

Innenraum, Pagode

Viele, viele Kinder

“Geburtenstarker Jahrgang” lautet dieser wunderschön bürokratische Begriff, den man immer dann verwendet, wenn man erklären möchte, warum Schulen auf einmal aus den Nähten platzen, oder auch die Arbeitslosigkeit ansteigt. Geburtenstarke Jahrgänge kann man wunderschön in Bevölkerungspyramiden ablesen. Meistens sind es allerdings keine einzelnen Jahre, sondern eher mehrere Jahre hintereinander, in denen ein Land aus diesem oder jenem Grund starke Geburtenzuwächse erfahren hat.

In Vietnam ist das anders.

Da könnte man bei genauem Hinsehen in der Bevölkerungspyramide vermutlich ein wunderbares Zickzackmuster erkennen. In einem Jahr starker Anstieg, im nächsten Jahr wieder Rückgang. Der Grund: Wie schon ein paar mal an dieser Stelle erwähnt, glauben die Vietnamesen an “gute” und “schlechte” Jahre, sowohl zum Heiraten als auch zum Kinderkriegen. Junge verheiratete Frauen werden dann von ihrer Familie besonders unter Druck gesetzt, doch bitte gefälligst dieses Jahr noch schwanger zu werden, denn nächstes Jahr, ist ja Jahr des Tigers. Und für Jungs mag das ja noch in Ordnung sein, aber wenn es ein Mädchen würde… ein Mädchen im Zeichen des Tigers, das geht gar nicht. Die werden besonders wild und widerspenstig, und finden nie einen Mann. Also bitte dann doch noch dieses Jahr, schnell.

2003 war auch so ein Jahr. Da war Schaf-Jahr. Schafe sind bekanntlich Herdentiere, also sehr familiär, zartfühlend, einfühlsam, gehorsam und friedfertig. Solche Kinder möchte man natürlich haben. Dachten sich ganz viele Vietnamesen 2003.

Dieses Jahr kommen diese Kinder in die Grundschule. Und die Grundschulen schreien jetzt Alarm, und planen bereits, die Klassenstärke anzuheben. Von 30 Schülern pro Klasse auf 50 Schüler pro Klasse. Deutsche Grundschullehrer bekommen an dieser Stelle vermutlich allein bei der Vorstellung einen Herzinfarkt, denn in Deutschland sind mittlerweile meist eher 20 Kinder üblich.

Daraus lernen wir: Es mag “gute Jahre” für Kinder geben, aber für die Kinder selbst kann es manchmal sehr viel besser sein, in einem schlechten Jahr geboren zu werden. Dann haben sie zumindest kleinere Klassen und weniger Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt.

Und die vietnamesischen Grundschullehrer können sich zumindest damit trösten, dass die 50 Kinder, die in ihrer Klasse sitzen, alle im Jahr des Schafes geboren sind. Also friedvoll, gehorsam - und sehr gesellig.

Das müssen sie bei 50 Mitschülern auch sein.

Smalltalk-Killer

Es gibt nicht viele Ausländer, die Vietnamesisch sprechen. Das heißt, eigentlich sind es gar nicht so wenige, aber die meisten treiben sich im universitären Umfeld herum. Und bei diversen Händlern, Motorradtaxis oder sonstigem Personal des Alltags hat es sich wohl auch herumgesprochen, dass es eine Gruppe von Ausländern in Hanoi gibt, die zumindest einfachste Worte auf Vietnamesisch sprechen kann. Der Normalbürger aber geht davon aus, dass hellhäutige Ausländer sicherlich kein Vietnamesisch sprechen.

Das ist ein Problem. Denn es tötet jeglichen Smalltalk. Beispiel Fahrstuhl. Alltagssituation. Ein paar Leute stehen herum, und einer fängt an, über das Wetter zu reden. Hilfe, ist heute heiß! Mensch, gestern war auch schon so heiß. Und ein dritter wirft ein: Sagt mal, hat dieser Fahrstuhl eigentlich ne Lüftung?

Wenn man dann das belanglose Gespräch durch einen belanglosen Kommentar ergänzen möchte, also zum Beispiel: Jaja, der Sommer ist da. - Dann interessiert sich schlagartig niemand mehr fürs Wetter. Alle fangen stattdessen lebhaft an, zu kommentieren, dass der Ausländer Vietnamesisch kann, und löchern den Ausländer mit Fragen. Was aber eigentlich nicht Ziel war. Man wollte ja nur höflich das Gespräch voranbringen, und nicht die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Aufmerksamkeit auf sich ziehen ist ja sogar per Definition das Gegenteil von Smalltalk.

Hier eröffnet sich natürlich ein Dilemma: Schweigt man als Ausländer stattdessen höflich, und nickt nur wissend, wird der Normalbürger auch in zehn Jahren noch davon ausgehen, dass es keine hellhäutigen Ausländer gibt, die Vietnamesisch können. Und nachdem der Fahrstuhl angekommen ist, wird sich dann einer der Mitfahrenden lächelnd zum Ausländer umdrehen, und sagen: “Hot! Hot! Is very hot!”.

Gut, man trägt damit wenigstens zur Auffrischung der Englischkenntnisse bei Einheimischen bei.

Haus in Hoi An

Das Bild stammt aus dem vergangenen Jahr und ich habe es schon vor ein paar Monaten ins System eingestellt. Da hier in Hanoi aber nun endgültig der Sommer ausgebrochen ist, mit drei Tagen blauem Himmel und Temperaturen irgendwo über 30 Grad Celsius, passt es wenigstens endlich mal. In Hoi An war damals nämlich genauso heiß.

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