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Atomkraft ahoi!

Aus einem seltsamen Grund tendieren ja viele Staaten dazu, ihre Atomkraftwerke nie in der Nähe ihrer Hauptstädte zu bauen. Alle Regierungen betonten zwar immer, wie sicher die Kraftwerke sind, aber dann werden sie anschließend irgendwo weit weg vom Regierungssitz gebaut. Bevorzugt auch in unbewohnten Grenzregionen. Natürlich hat das eine nichts mit dem anderen zu tun. Es ist reiner Zufall, dass rund um Bonn kein Kraftwerk steht. Und es gibt haufenweise wichtige Gründe, warum das erste vietnamesische Atomkraftwerk im Niemandsland in Mittelvietnam entstehen soll.

China hat bislang vier Atomkraftwerke (die alle ziemlich weit weg von Peking liegen), und plant seinen Atomstrom zu verdreifachen. In den kommenden fünf Jahren sollen 22 neue Reaktoren gebaut werden, und danach sind insgesamt schon 132 (!) Reaktoren am Reißbrett geplant.

Eines der Reißbrett-Kraftwerke liegt in der Nähe der chinesischen Kleinstadt (nur 700.000 Einwohner) Fangchenggang, und es befindet sich damit nur 60 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Allerdings nicht von der chinesischen Hauptstadt, sondern von der vietnamesischen.

Das geplante AKW liegt direkt an der Grenze zu Vietnam. Ein weiteres soll auf der Halbinsel Hainan entstehen, das ist ebenfalls direkt in Spuckweite von vietnamesischem Festland. Traditionell ziehen von dieser Richtung aus immer die Unwetter, Taifune und sonstigen Wetterlagen nach Vietnam. Anders gesagt: Die Windrichtung ist sehr häufig Südwesten - Richtung Vietnam. Wissenschaftler haben nun erklärt, bei einem möglichen Störfall im Kraftwerk könne radioaktiv belasteter Staub in 10 Stunden Hanoi erreichen.

Die Betreiber weisen darauf hin, dass der Bau des Kraftwerks 15 Milliarden Tonnen Kohle einsparen wird, was 100.000 Hektar Wald entspräche.
In diesen Tagen beginnen die erste Projektphase des Fangchenggang-Atomkraftwerks, das sechs Reaktoren umfassend wird. Das Kraftwerk soll laut Plan 2016 in Betrieb gehen.

… gibt es ja bekanntlich ein kleines Ölproblem. Schon seit einigen Wochen. Und man mag es kaum glauben, aber dieses Problem hat tatsächlich auch Auswirkungen auf Vietnam. Nicht, indem Benzinpreise steigen, oder ähnliches. Sondern weil BP dringend Geld braucht, und demnächst seine Besitztümer in Vietnam verkaufen wird.

BP besitzt 35 Prozent am größten Gasfeld Vietnams, dem Nam Con Son Projekt. Das befindet sich in der Nähe von Vung Tau, einem Badeort nördlich von Saigon, der mittlerweile aber mehr bekannt ist für seine Öl- und Gasförderung und Industrie (was wiederum dem Bild des Badetourismus nicht sonderlich zuträglich ist).

Zusammen mit einer Pipeline und einem 720 Megawatt-Kraftwerk ergibt das einen Wert von umgerechnet etwa 1,3 Milliarden US-Dollar. Und das alles möchte BP jetzt gerne zu Geld machen, weil es möglicherweise in naher Zukunft viel Geld braucht. Im Raum schwirrt die Zahl von 20 Milliarden US-Dollar an Entschädigungszahlungen. Das wären also mehr als ein Dutzend solcher Riesengasfelder. Auch in Pakistan, Venezuela und Kolumbien will BP offenbar verkaufen.

Als Käufer steht eine indische Staatsfirma bereit, der früher schon mal das gesamte Projekt gehörte, bevor sie große Anteile daran an BP und die vietnamesische Petro Vietnam verkaufen musste. Jetzt möchten die Inder den 35-Prozent-Anteil gerne zurück, und ganz zufälligerweise war gestern der indische Ölminister Murli Deora bei Vietnams Premierminister zu Gast, und verließ das Treffen offenbar mit strahlendem Lächeln.

Interessiert sind offenbar auch thailändische und chinesische Firmen, aber mit China ist man sich aus diversen Gründen derzeit nicht so ganz grün. Das ist insofern interessant, als Indien und China ja traditionell die zwei regionalen Großmächte sind, die in der Region gerne die Oberhand erringen würden (nicht ganz zufällig wurde die Gegend ja damals “Indochina” getauft). Wobei der Wettstreit ziemlich eindeutig war: Der Einfluss gehörte und gehört China. Indien könnte nun zumindest im Energie-Wettlauf einen kleinen Teilerfolg erringen.

Waldsee

Keine Seepferdchen

Zu den Kuriositäten der vietnamesischen Geschichte gehört die Tatsache, dass die Vietnamesen trotz ihrer langen Küste niemals eine Seefahrer-Nation waren. Von vietnamesischen Küsten aus starteten keine Entdeckungs-Expeditionen, und auch keine Flotten - vietnamesische Eroberungsfeldzüge fanden fast immer über Land statt. Zwar gehört das Meer zum Gründungsmythos des Landes, und die Flüsse spielen eine zentrale Rolle, als Wasserspender und auch als Schlachtfelder (man denke an die Unabhängigkeitsschlacht am Bach-Dang-Fluss), aber alles in allem blieben die Vietnamesen mehr auf das Land konzentriert.

Lässt sich aus solchen Traditionen etwas für die Gegenwart ablesen?

Vielleicht ist es eine wissenschaftliche fragwürdige Verknüpfung zweier Tatsachen, aber bis heute sind die Vietnamesen keine besonders eifrigen Schwimmer. Wer sich in der Hanoier Großstadtbevölkerung umhört, stößt sehr häufig auf Menschen, die nicht schwimmen können. (Und selbst diejenigen, die angeblich schwimmen können, ziehen es vor, zu planschen, wie man in den Sommermonaten in den Schwimmbädern beobachten kann). Auf dem Land sieht die Sache nicht besser aus.

Die erschreckende Zahl dazu lautet: Jedes Jahr sterben etwa 3500 Kinder und Jugendliche durch Ertrinken. In Deuschland sind es in allen Alterklassen gerade mal knapp 500 Opfer pro Jahr - und davon sind die Hälfte über 50 Jahre. Die Zahl der ertrunkenen Kinder und Jugendlichen liegt in Deutschland unter hundert.

Für Schlagzeilen sorgten jetzt wieder zwei Mädchen im Alter von 10 und 14 Jahren, die zusammen mit ihrer Großmutter Schnecken an einem Flussufer sammelten, und dabei ertranken. Keine der beiden konnte schwimmen. Dabei ist auch diese Schlagzeile eigentlich nur eine Momentaufnahme, denn täglich sterben durchschnittlich zehn Kinder in Vietnam durch Ertrinken.

Der Staat will nun handeln. Und was machen Politiker, wenn sie handeln wollen? Richtig, sie unterzeichnen erstmal Absichtserklärungen. 15 Provinzen haben auf Initiative von Unicef eine “Verpflichtung zur Reduzierung von Opferzahlen durch Ertrinken bei Kindern” unterzeichnet. Darin heißt es vor allem, solle das “Bewusstsein für die dringende Anforderung, Ertrinkungstode zu verhindern, geschärft werden”. Aha. Und es wird “dringende Aktion von Familien, Gemeinschaft und lokaler Verwaltung” gefordert. Und das Sozialministerium kündigte sogleich an, mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten, um all das zu überwachen.

Was genau da nun eigentlich getan und überwacht werden soll, bleibt eher im Dunkeln. Denn ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht. Kinder ertrinken, weil Eltern keine Zeit haben, sich um sie zu kümmern. Weil sie arm sind, hart arbeiten müssen, oder vielleicht auch einfach schlechte Eltern sind. Ob Aktionspläne den Eltern mehr Zeit für ihre Kinder geben, scheint zumindest fraglich. Kinder ertrinken außerdem, weil es offenbar zu wenig Schwimmunterricht gibt. Nun braucht es nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, dass man in armen Provinzen, in denen Schulen noch nicht einmal anständige Unterrichtsmaterialien haben, nicht einfach morgen ein Schwimmbad bauen kann.

Stattdessen erklärt das Arbeitsministerium, andere Länder hätten enorme Erfolge erzielt, indem sie “mehr Zäune gebaut, Wasserlöcher unzugänglich gemacht, und die Bedeutung von Kinderaufsicht betont” hätten.

Hoffen wir das beste. Dass die Zahlen von ertrunkenen Kinder kurzfristig sinken, darf man allerdings zumindest bezweifeln.

Phong Nha Höhle

Wie man Frauen beeindruckt

Was würden Sie sich kaufen, um das andere Geschlecht zu beeindrucken? Ich weiß nicht genau, was die neuesten Umfragen in Deutschland sagen, aber vermutlich käme bei Männern so etwas heraus wie “teure Autos”, “teure Klamotten” oder auch “teure Uhren”.

Die niederländische Marktforschungsfirma Nielsen Company hat nun eine solche Umfrage in Vietnam beendet, und folgendes herausgefunden: 95 Prozent aller vietnamesischen Männer wollen die Frauen mit ihren teuren Mobiltelefonen anlocken. 82 Prozent wollen wie mit ihren teuren Mopeds bezirzen.

Zwar klingt “Hey, Baby, schau mal was für ein dickes Moped ich habe!” in den Ohren von Deutschen ein wenig seltsam, andererseits ist das Moped hierzulande natürlich das Auto des Großstadtmenschen, und insofern ist das noch halbwegs passend.

Aber Mobiltelefone?

Kaufen Männer in Deutschland Mobiltelefone, um Eindruck bei Frauen zu schinden? Ich hätte jetzt spontan getippt, Männer kaufen moderne und teure Telefone, weil sie technikbegeistert sind. Oder weil sie einfach neugierig auf den neusten Schnickschnack sind, und ja, sicherlich auch, um ein bisschen Eindruck zu machen, aber vermutlich doch eher bei ihren Kollegen und Freunden, als bei den Frauen.

Für die Verfasser der Studie war allerdings etwas ganz anderes beachtenswert. Sie erklärten die Tatsache, dass immerhin 56 Prozent der Männer die Frauen mit Körperpflegeprodukten verführen wollen zu einem Indiz dafür, dass Vietnams Männer langsam “metrosexuell” werden. Außerdem zeigt die Gegenüberstellung mit den Frauen noch etwas Interessantes: Frauen geben nämlich ihr Geld zur Männerverführung für Kleidung (97 Prozent), Parfüm (79 Prozent) und Schuhe (64 Prozent) aus.

Unter dem Strich kommen die Frauen deutlich günstiger weg. Ein Moped kostet jedenfalls mehr, als, sagen wir: Schuhe.

Reeeeegen!

Das ganze Land hat wochenlang auf Regen gewartet. Stattdessen hatten wir hier Rekordtemperaturen von weit über 40 Grad, geradezu trockengelegte Wasserkraftwerke und reihenweise Stromausfälle. Jetzt ist er da, der Regen.

Und wenn, dann gleich richtig: Es regnet zwar erst seit etwa zwei Stunden, aber schon sind reihenweise Straßen im Hanoier Stadtzentrum überflutet. Ich bin an einigen Gullys vorbeigefahren, die sich in Springbrunnen verwandelt hatten. Das Wasser floss also nicht rein, sondern es sprudelte wegen Überfüllung in einer hohen Fontäne heraus. Viele Leute kommen auch aus ihren Häusern nicht heraus, weil das Wasser mit solche einer Wucht von der Erde stürzt, dass man bereits klitschnass ist, sobald man nur im Hauseingang steht. Da hilft selbst die Doppelkombination Regenmantel und Regenschirm - nichts.

Der Regen hält unvermindet an. Wenn das so weiter geht, fängt das Chaos in ein paar Stunden erst so richtig an, dann dürfte alles dicht sein, und ich komme vermutlich aus dem Büro nicht mehr nach Hause.

Andererseits: Wurde ja auch langsam mal Zeit. Die Sommerregengüsse konnte man bislang an einer Hand abzählen.

Frosch

Geschnatter im Dschungel

Vietnam ist ein lautes Land. Ich weiß bis heute nicht so genau, ob das einfach eine kulturelle Sache ist, oder ob das gesamte Land kollektiv aufgrund des allgegenwärtigen Lärms an Gehörschäden leidet, und deshalb immer so laut spricht und so laut Musik hört. Vielleicht ist das aber auch so wie mit der Henne und dem Ei.

Heute gab es eine Dschungel-Tour durch den Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark. Eine nächtliche Tour, um genau zu sein. Nachts sind einige Tiere aktiv, vor allem Amphibien und Reptilien. Einige sind auch nicht aktiv, was in dem Fall praktisch ist, weil man sie sonst nicht sehen würde. Schlafende Vögel und schlafende Schlangen zum Beispiel. Besonders beeindruckend am Dschungel ist aber ja auch immer die Geräuschkulisse. Überall zirpt und schreit und quakt und lärmt es. Ein Dschungel ist nicht gerade leise. Gerade für Radiojournalisten sollte das eigentlich ein gefundenes Fressen sein, ein Schmaus für die Ohren und den professionellen Geist.

Leider gibt es ein Problem. Nämlich die oben erwähnte Eigenschaft der Vietnamesen, in eigentlich fast jeder Situation immer besonders laut zu reden. Beispielsweise auch, wenn man durch einen Dschungel läuft. Vor lauter Geschnatter ist kein Gezirpe mehr zu hören.

Ruhe kehrt erst langsam nach zwei Stunden ein, als die Teilnehmer offensichtlich zu erschöpft zum reden sind. Dafür wiederum gebührt allerdings Respekt. Eine stramme Wanderung über mehr als eine Stunde ohne Punkt und Komma in voller Lautstärke zu reden - das zeugt von körperlicher Fitness.

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